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Über Der Elevator

Markus Baumgart / Gölzstraße 22 / 72072 Tübingen / der.elevator (ät) freenet.de

Die „tabustrierte“ und die Sexbombe

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Auf einem Büchermarkt habe ich einmal eine kleine satirische Alternativpublikation namens „tabustrierte“ gefunden, die im ersten Jahrgang 1954 in Köln von Erich Denker, Ludwig und Hans Herbert Blatzheim sowie Magda Schneider herausgegeben wurde. Ich besitze das 4. Heft dieses ersten Jahrganges, die „superbombensondernummer“. Das 16-seitige Heft, der Text ist durchgehend in Kleinbuchstaben gehalten, lässt sich zur Hälfte von vorne, zur anderen Hälfte von hinten lesen, besitzt damit also auch zwei Titelblätter. Auf dem einen Titelblatt ist das Photo zweier Models auf einem Schiff abgebildet, das Bild trägt die Bildlegende „wasserstoffbombe“. Auf dem anderen Titelblatt findet sich ein sitzendes Pin-up-Model, die Legende lautet hier: „radioaktive sexbombe mit richtstrahler nach übersee“. Auch ein großer Teil der Texte und weiterer Bildlegenden spielt mit den Begriffen Sexbombe und Atom- bzw. Wasserstoffbombe. Repräsentativ für den satirisch-protestierenden Unterton mag folgendes Zitat aus dem leid-artikel stehen: „dieweilen dieses heft ansonsten der freude gewidmet ist, ziemet es sich kaum angesichts der ungestümen fortschritte einer wildgewordenen technik, einen freud-artikel zu schreiben. lasset uns wehmütig hinter uns blicken in jene zeiten, da man wasserstoff nur in superoxydierter form zum bleichen weiblichen haarschmuckes verwendete.“

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Der Begriff „Sexbombe“ wurde meinen Recherchen nach tatsächlich um 1950 in Deutschland geprägt. Dr. Heinz Küpper merkt zwar in „Handliches Wörterbuch der deutschen Alltagssprache“ (Hamburg/Düsseldorf 1968) an, der Begriff sei um 1950 aus Nordamerika übernommen worden, aber aus der ausführlichen Version „Wörterbuch der deutschen Umgangssprache“ (Stuttgart/Dresden 1987) nahm er diesen Verweis wieder heraus. Der Begriff ist eine Zusammensetzung des 1945 aus dem Englischen übernommenen Wortes „Sex“ und der in Deutschland bereits seit 1930 gebräuchlichen Bezeichnung „Bombe“ für eine „Frau mit üppig entwickeltem Busen“ (ebd.: 122). In amerikanischen Slang-Wörterbüchern konnte ich den Begriff nicht finden, daher nehme ich an, dass der Begriff erst seit Tom Jones Hit „Sex Bomb“ von 1999 auch im englischsprachigen Raum wirklich populär ist.

Tamburin. Tanz und Schönheit in aller Welt

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Ein aktueller Neuzugang in meiner kulturwissenschaftlichen Sammlung sind zwei Ausgaben der Zeitschrift „Tamburin. Tanz und Schönheit in aller Welt“ von 1950. Herausgegeben wurden sie im Tamburin-Verlag Karl Hofmann, Schorndorf bei Stuttgart von eben Karl Hofmann, Redaktion: Robert Jeserich und Carl Rinke.

Nicht nur sind sie ein schönes Beispiel dafür, wie es bereits in beginnenden Wirtschaftswunder-Zeiten offensichtlich möglich war, in Eigenregie solche Kleinzeitschriften zu allen möglichen kulturellen Themen zu veröffentlichen – im Prinzip Vorläufer zu Blogs wie diesem –, sondern auch wie sich über solche künstlerischen Zeitschriften nach und nach die Aktphotographie wieder in den öffentlichen Alltag einschlich. Bereits in der Urzeit der Photographie war es ja Usus, photographische Aktdarstellungen als „Vorlagen für Künstler“ zu vervielfältigen und zu publizieren. Nicht umsonst also trägt diese Zeitschrift das „und Schönheit“ im Untertitel.

In diesen beiden Ausgaben findet sich u.a. eine recht zusammenhanglos eingefügte Photographie von Werner Schmölcke. Schmölcke publizierte später, in den 1960ern vier Bände mit Aktphotos beim Hans E. Günther Verlag in Stuttgart – derzeit neben der Europäischen Bücherei Hieronimi, Bonn wohl einer der wichtigsten deutschen Verlage für Erotika und Sittengeschichte. Zahlreiche weitere Akte, immerhin thematisch im Bereich Tanz verortet, stammen von Sigfried Enkelmann, der zuerst als Autodidakt, ab 1927 dann als Schüler und später enger Mitarbeiter von C.M. Nolte in Berlin tätig war und an dessen photochemischen Versuchen mitwirkte. Enkelmann galt derzeit als Spezialist auf dem Gebiet der Bewegungsaufnahme.

Eine kurze Photostrecke ist darüber hinaus im Heft 5/50 Rosita Perez gewidmet, die mit Tanz wohl nur insofern zu tun hatte, dass sie Teil einer gewissen „Paris-Floor-Show“ war, wohl einen Revue, – diese ist zudem ein schönes Beispiel für 1950er-Exotica (Photos: Keystone) :

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Neben Artikeln zum Bereich des klassischen Balletts und der Geschichte des Tanzes finden sich Artikel wie „Über die Pikanterie. Versuch, deren Reiz einer Tänzerin zu offenbaren“, „Cancan – Rausch des Dessous. Ein Reiztanz vom Fasching neu belebt“ oder „Kleine Weltgeschichte des Nachtlokals“ die für eine höfflich-dezent libertine Lebensweise stehen, ebenso wie Aphorismen und Zitate die unter den (in diesen Heften) Überschriften „Weisheit des Sinnlichen“ und „Liebes-Spielereien“ versammelt sind. Zwei dieser Weisheiten, von Wendelin Ueberzwerch, mögen beispielhaft als Abschluss diese Eintrags stehen, da sie den Geist dieser Magazine recht gut wiedergeben: „Die Sinne sind die Jakobsleiter zum Himmel der Liebe.“ Und: „Es ist eine erhabene Sache, daß man die Keuschheit in Gestalt einer nackten Göttin darstellen kann. Schmutzfinken werden so etwas nie verstehen.“

(P.S.: Ausführliches zur Sexual- und Sittengeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg findet sich übrigens hier auf dieser Webseite in den entsprechenden Kapiteln meiner Arbeit „Pop, Anarchie und Zeitgeist“.)

Die Knef, Der Stern und Der Apfel ist ab

Aus dem Paradies

Am 1. August 1948 erschien im Verlag Henri Nannen GmbH, Hannover, unter Zulassung Nr. 109 der Militärregierung und mit einem Verkaufspreis von 40 Pfennig das 16-seitige 1. Heft im 1. Jahr der Zeitschrift „Der Stern“ – damals noch mit dem Untertitel „Illustrierte Zeitschrift für junge Menschen“. Interessant bei letzterem die typographische Hervorhebung des Wortes „Illustrierte“, das sich ab dem frühen 20. Jahrhundert als fester Topos durchgesetzt hat, als nach und nach verstärkt Zeitschriften wie die „Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ)“ publiziert wurden. Und wie man dem Impressum entnehmen kann, war der Stern die Nachfolge-Zeitschrift des „Zick Zack“ – marketingtechnisch sicherlich eine kluge Namensänderung.* (Ach ja, und für die Leser in der Zukunft: „Pfennig“ war mal eine Währungsform in einem Zeitalter, das man heute als „Digitale Steinzeit“ bezeichnen könnte…)

Auf dem Titelbild (Achtung: Partywissen für Fortgeschrittene!): Hildegard Knef und der Kommentar: „Der Stern unserer Zeit ist kein extravaganter Star. Natürliche Anmut bewundern wir an Hildegard Knef.“ – Sehr apart gesagt.

Auf der Rückseite ein satirischer Artikel zu den Vorkommnissen um den damaligen Skandalfilm „Der Apfel ist ab“ (Regie: Helmut(h) Käutner; als Adam und Eva: Bobby Todd und Bettina Moissi), der die Vertreibung aus dem Paradies satirisch thematisiert – was von Anfang an auf Widerstand von Seiten der Kirche, wohl insbesondere der katholischen, stieß. Bei den Dreharbeiten zum Film schlich sich ein junger Mann in den Mitarbeiterstab ein, der dann ein Drehbuch entwendete und sich schließlich als Münchner Jesuitenpater Gritschneder entpuppte. In der Folge kam es zu köstlichen Auseinandersetzungen zwischen Käutner und der Katholischen Kirche:
Käutner drohte, den Diebstahl anzuzeigen, woraufhin ihm zugesichert wurde, die Kirche würde keine Einwände gegen den Film erheben, würde Käutner auf die Anzeige verzichten. Aber es stellten inzwischen alle auf Stur, so dass es bis hin zu Eingaben an die Militärregierung und zu öffentlichen Protesten kam. Ein Versuch zur Versöhnung von Seiten Käutners, in Form einer Einladung an den Münchner Bischof zu den Dreharbeiten, endete damit, dass ausgerechnet besagter Pater Gritschneder zu dem Termin erschien, der bei der Gelegenheit von Käutner wild beschimpft worden sein muss. Jedenfalls wurde nun wiederum Käutner von Seiten des Münchner Klerus wegen Beleidigung und Verleumdung angezeigt. Käuter drohte schließlich damit, Deutschland zu verlassen und ein Angebot nach Hollywood anzunehmen – was er dann doch nicht tat und stattdessen irgendwie den Film fertigstellte.
Zurück geht der Film übrigens auf ein 1935 verfasstes Programm des akademischen Kabaretts „Die Nachrichter“ (Käutner war eines der Mitglieder), das nicht mehr aufgeführt werden konnte, da die Truppe einem Verbot der Nazis zum Opfer fiel. 1938/39 kürzte Käutner das Stück zu einem Einakter, das durch das „Kabarett der Komiker“ zur Aufführung kam. Der Film wiederum basiert auf dem ursprünglichen Programm, wobei Bobby Todd der einzige „Nachrichter“ war, der als Schauspieler mitwirkte.

Der Inhalt des Stern-Hefts ist eine, wie man so schön sagt, bunte (wenn auch derzeit nur in Duoton gedruckte) Mischung von Artikeln. Neben ein bisschen Tratsch und Klatsch, Sport und Prominenz, reflektiert die Mehrheit der Beiträge die politische und soziale Situation im Nachkriegsdeutschland. So z.B. der Artikel „‘Heim ins Reich‘ – Arm ins Heim“ über Kriegsheimkehrer oder der als Fortsetzung angekündigte Bericht „Versuch’s noch mal mit uns“ (Copyright Rowohlt-Verlag Stuttgart, also derzeit auch als „Rohwohlt Rotations Roman (RO-RO-RO)“ erschienen – diese waren zuerst im Format und auf dem Papier von Zeitungen gedruckt, später im Taschenbuch-Format) von Dieter Meichsner über seine Zeit als sogenannter „Werwolf“, also faschistischer Endkämpfer in den letzten Kriegsmonaten. Außerdem, unter der Überschrift „Hat die deutsche Frau Versagt?“, ein sehr interessanter Kommentar einer Journalistin, die sich Jo nennt, den wiederum ein ausführlicher Kommentar der Redaktion begleitet. In ihm widmet sich Jo moralischen Fragen, primär dem „Verhalten der Geschlechter zueinander“ und insbesondere den kontrovers diskutierten bis stark angefeindeten Beziehungen deutscher junger Frauen zu farbigen GIs. Dabei kommt sie zu diesem bemerkenswerten Schluss:

„Würde er (gemeint ist der männliche Kritiker; MB) sich aber die Mühe machen, jene Mädchen zu fragen (wie wir es getan haben), so würde er hören, daß die einfache menschliche Güte, die Hilfsbereitschaft und Zartheit gerade dieser amerikanischen Bürger verbunden mit ihrem aus eigener Erfahrung stammenden Verständnis für unsere Not ihnen die Neigung der deutschen Mädchen gewonnen hat.
Krankt nicht das deutsche Familienleben seit langem am falschen Heroismus, an der sogenannten ‘Sachlichkeit‘, an der Rücksichtslosigkeit, am Grobianstil? Ja, darüber sollte man nachdenken, man käme dann vielleicht vom gegenseitigen Sichbeschuldigen zu einem neuen besseren Miteinanderleben.“

Dies scheint mir ein guter Hinweis, dass man die Entstehung des faschistischen Terrors auch mit patriarchalen Familienstrukturen und der Erziehung zum bedingungslosen Gehorsam zusammendenken muss.

* Erst vor Kurzem stieß ich auf die Publikation „Von der Stern-Schnuppe zum Fix-Stern. Zwei deutsche Illustrierte und ihre gemeinsame Geschichte vor und nach 1945“ (Herbert von Halem Verlag, Köln 2014) von Tim Tolsdorff, in der der Autor detailliert die tatsächliche Entstehungsgeschichte, und vor allem auch die von Henri Nannen selbst betrieben Legendenbildung darum herum, dokumentiert und diskutiert. Empfehlung!

(Anmerkung: Ursprünglich sollten diesen Artikel Scans der Titel- und der Rückseite begleiten. Vorsichtshalber bat ich beim Stern um eine Genehmigung, die mir von einer Dame vom Leser-Service leider rasch und bestimmt, aber – wie ich hervorheben möchte – sehr freundlich verweigert wurde, da de Stern grundsätzlich keinen Inhalt des Stern für die Internet-Nutzung außerhalb der Websites des Verlags freigebe. – Ja, der redlich arbeitende Kulturwissenschaftler hat es schwer… Eine Ansicht der betreffenden Seiten ist also nur in situ, bei einem Glas Wein und, wenn gewünscht, einer Schallplatte der Knef möglich – auch nett!)

13 qm Bulletin No. 1 – Schubladenliteratur

Cover Bulletin 1

Die erste Buchlounge unter diesem Namen – das erste Bulletin.

Normalerweise werden die Bulletin-Innenseiten von mir in alter Fanzine-Manier ausgedruckt/kopiert/zusammengeklebt, im Copy-Shop s/w vervielfältigt, in einen jeweils anderen Umschlag eingelegt (zurechtgeschnitten z.B. aus Test-Druckbögen oder Andrucken) und per Hand mit dem klassischen Dreipunkt-Buchbinder-Stich zusammengenäht.

Aber hier nun das erste Heft mit Scans digital nachgebaut: 13 qm Bulletin 1_Schubladenliteratur

13 qm Bulletin No. 2 – Babelfische

Cover Bulletin 2

Ein weiteres Dokument aus der Buchlounge-Historie: Eine der frühen Veranstaltungen lief unter dem Titel „BabelFish Gedicht Karaoke“. Aufgabe war, mit Hilfe einer automatischen Übersetzungsmaschine Co-Gedichte zu klassischen deutschen Gedichten zu kreieren. Und tatsächlich kamen dabei einige interessante Subtexte zustande. Im Verbund mit ausgewählten, witzigen Spams aus meiner Sammlung entstand daraus das 13 qm Bulletin 2_Babelfische.

Alltagswahnsinn

Effeff

Willkommen allerseits, das ist die Kategorie, die dem Motto folgt: „And pray that there’s intelligent life somewhere up in space, because there’s bugger all down here on Earth.“ (Monty Python: „Galaxy Song“) Aber, egal wie dem auch sei: „Always Look on the Bright Side of Life!“ Empfehlung hierzu: Jeder beliebige Film der Marx Brothers.

Schallplattenregal

Vinyl 1

In dieser Kategorie geht es offensichtlich um Schallplatten. Nach und nach tauchen hier Rezensionen neuer oder alter Alben auf. Vorerst mögen die beiden Photos als Platzhalter dienen. Aufgenommen und bearbeitet wurden sie von Janosch Geiger, der mir auch die Abbildung, die in der Kopfleiste dieser Webseite zu sehen ist, zur Verfügung gestellt hat. (Hey, danke dafür, wie auch für die Tipps zur Erstellung dieses Blogs!) Janoschs eigener Blog ist über den „Geigerphotos“-Link, der rechts im Kontextmenü zu finden sein sollte, aufrufbar.

Vinyl 2

Blumen für Mühsam

Vor ein paar Tagen fiel mir dieses halbwegs zufällige Arrangement auf meinem Tisch auf:

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Inzwischen sind die Blumen den Weg alles Vergänglichen gegangen, übrig blieb vor allem noch ein trister Blütenstempel, was mich zu dieser quasi maskulinen Version des Photos, verbunden mit einem Buch-Tipp, anregte:

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Der sehr zu empfehlende Mühsam-Band, eine Art Biographie in Selbstzeugnissen, erschien vor kurzem im Verbrecher Verlag, Berlin, herausgegeben von Markus Liske und Manja Präkels. Erich Mühsam war Anarchist im besten Sinne, aktives Mitglied der Münchner Räterepublik und eines der ersten Opfer des faschistischen Terrors. Der Band bietet eine beeindruckende und zugleich, ganz in seinem Sinne, sehr humorvolle Annäherung an sein Leben, und dementsprechend auch eine sehr kurzweilige Urlaubslektüre. Und in diesen Tagen, in denen anscheinend nur noch die miesesten Polithunde meinen, über unser Leben bestimmen zu dürfen, wird Erich Mühsam wieder umso wichtiger.

Bitte fragt bei Interesse im lokalen Buchhandel nach, das Buch sollte, wenn nicht vorrätig, auf den nächsten Tag bestellbar sein – Bewegung ist nicht nur für den Paketboten gut, sondern für jeden einzelnen von uns!

Global Sea

Manchmal finden sich auf einem Tisch Dinge zusammen, die zufällig wie zusammengehörend scheinen. Dementsprechend sind sie dann, nach Comte de Lautréamont, einem der Väter des Surrealismus: „Schön wie die zufällige Begegnung eines Regenschirms und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch.“

So erhielt ich in der Urlaubszeit der letzten Jahre zu fast dem gleichen Zeitpunkt zwei Postkarten, eine aus Chalkidiki, Griechenland und eine aus Texel, Holland. Beide Karten lagen einige Tage nebeneinander auf meinem Tisch, ich schob sie ab und zu etwas hin und her, und eines Morgens, bei Frühstückskaffee, sah ich plötzlich das:

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Ich nenne es „Global Sea“ oder: „See the Sea, Hear the Sea, Ecstasy.“

Pop, Anarchie und Zeitgeist

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Die eine oder der andere fragt sich vielleicht, wo ich und mein Denken seine Wurzeln haben. Nun, vor allem in einem (irgendwann – also nach sehr langer Zeit :-)) erfolgreich abgeschlossenem Studium der Empirischen Kulturwissenschaft hier in Tübingen. In meiner Magisterarbeit „Pop, Anarchie und Zeitgeist. Versuch über den Zusammenhang von Musik, politischem Bewusstsein und dem, was zwischen den Zeilen steht“ finden sich dementsprechend schon zahlreiche Spuren dessen, was mich noch heute beschäftigt. Und darum möchte ich diese Magisterarbeit hiermit frei zugänglich machen. Ich stelle sie in ihrer Original-Fassung ein, also ohne jegliche redaktionelle Überarbeitung. Die ein oder andere sprachliche Unzulänglichkeit bitte ich dementsprechend zu entschuldigen – zum Inhalt hingegen stehe ich noch immer voll und ganz.

Ausgangspunkt der Arbeit sind amerikanische Easy Listening- und Exotica-Schallplatten der 1950er- und 60er-Jahre und das Revival dieser Musik in den frühen 1990ern unter dem Label „Cocktail Nation“. Verbunden habe ich dieses Material mit politischen Theorien wie sie sich in Negri und Hardts „Empire“, in „Temporäre Autonome Zone“ von Hakim Bey etc. finden, aber auch mit Fragen zu Subkultur und Stil in Anlehnung an Dick Hebdige.

Darüber hinaus finden sich darin zahlreiche Themen, die Teil meines Gedanken-Kosmos‘ sind und mich auch auf dieser Webseite beschäftigen: Camp, Trash, Incredibly Strange Music, Soul, Mod, Industrial Cultur, Modern Primitvism, William S. Burroughs, Beat Generation, J.G. Ballard, Subversion, Sittengeschichte und Sexualwissenschaft, (New) Burlesque, Anarchismus, Autonomie, Postmoderne etc. pp.

Entsprechend zu dieser Beschreibung kann die Arbeit als ein Netzwerk von miteinander verknüpften Ideen (a.k.a. Rhizom) gesehen werden und muss dementsprechend nicht stringent von vorne nach hinten gelesen werden. Jedes Kapitel steht im Prinzip für sich, knüpft aber hier und da an andere Kapitel an. Und an Hand des Literaturverzeichnisses kann man sich, denke ich, noch immer eine ganz ordentliche Handbibliothek zusammenstellen.

Auf der Titelseite der PDF habe ich einige Informationen eingefügt, für den Fall, dass aus der Arbeit Ausschnitte verwendet bzw. Passagen daraus zitieren werden sollten. Dies darf gerne unentgeltlich geschehen, es geht mir dabei nur um die Einhaltung grundsätzlicher wissenschaftlicher Standards, an denen ich, old-school wie ich nun mal bin, trotz allem weiterhin hänge – you know, what I mean.

Und hier ist nun also das Werk, viel Vergnügen beim Lesen!: Pop, Anarchie und Zeitgeist