Versuch einer erbaulichen Annäherung an Franz K.

Kafka

Am gestrigen Samstag hatte ich das Vergnügen, die Einführung zu Gerhard W. Feuchters aktueller Kafka-Ausstellung im Künstlerbund Tübingen zu halten. Und da der Text, soweit ich das aus den Rückmeldungen und meinem eigenen Gefühl heraus sagen darf, durchaus gelungen ist, stelle ich ihn hiermit ins Bücherregal: Kafka x 3

Was mir die Gelegenheit gibt, zudem zu notieren, zu welch grandios kafkaeskem Moment es während der Vernissage kam: Eine Leuchtröhre war ausgefallen. Wir haben ein bisschen an der Halterung rumgepfriemelt, nichts ging. Irgendwann ging die Lampe plötzlich doch an, brummte aber. Also wurde sie vorerst ausgeschaltet und erst nach dem Textteil wieder an – wobei sie nun nicht mehr brummte. Bis dann allerdings eine Sicherung rausflog und im ganzen Raum das Licht aus ging. Sicherung rein, Beleuchtung an. Als nächstes gab es einen lauten Knall, worauf die Sicherung erneut rausflog. Sicherung rein, ein weiterer Knall – und besagter Lampe entschweifte eine kleine, graue, verschmort riechende Rauchwolke, als es wäre es Kafkas düsterer Geist. Ja, leg Dich besser nicht mit Kafka an!

Zu später Stunde saß ich zu Hause und dachte nochmals ein bisschen über Kafka und die Verwandlung nach. Und da fiel mir mit einem Schlag diese abschließende Pointe auf: „Franz“ und „Gregor“ – geschenkt. Aber nun nimm den Kafka, tausch „k“ mit „s“, dann „f“ mit „m“ und Du erhältst: Kafka – Safsa – Samsa. Gregor Samsa.

Ich gehe mal davon aus, dass das in irgendeinem literaturwissenschaftlichen Kontext bereits althergebrachtes Gemeinwissen ist. Aber als es mir heute Nacht, im Nachklang des Tages, plötzlich wie eine Leuchtreklame vor den Augen aufblitzte, da fiel ich vor Lachen fast vom Sessel, schmiss ein Glas an die Wand (na ja, eigentlich nur eine leere Zigarillo-Schachtel in Richtung Küchenspüle) und dachte dabei: „Samsa Kafka, du verdammter Witzbold, irgendwie machst Du Dich doch über uns alle lustig…“ Und wenn dieser bescheuerte Franz K. in dem Moment hier neben mir auf dem Sofa gesessen hätte, ich schwöre, er hätte mir im Gelächter aufbrüllend auf die Schulter gehauen und nur gesagt: „Na, Alder, alles klar!?“

Blumen für Mühsam

Vor ein paar Tagen fiel mir dieses halbwegs zufällige Arrangement auf meinem Tisch auf:

Blumen 3_online

Inzwischen sind die Blumen den Weg alles Vergänglichen gegangen, übrig blieb vor allem noch ein trister Blütenstempel, was mich zu dieser quasi maskulinen Version des Photos, verbunden mit einem Buch-Tipp, anregte:

Mühsam 2_online

Der sehr zu empfehlende Mühsam-Band, eine Art Biographie in Selbstzeugnissen, erschien vor kurzem im Verbrecher Verlag, Berlin, herausgegeben von Markus Liske und Manja Präkels. Erich Mühsam war Anarchist im besten Sinne, aktives Mitglied der Münchner Räterepublik und eines der ersten Opfer des faschistischen Terrors. Der Band bietet eine beeindruckende und zugleich, ganz in seinem Sinne, sehr humorvolle Annäherung an sein Leben, und dementsprechend auch eine sehr kurzweilige Urlaubslektüre. Und in diesen Tagen, in denen anscheinend nur noch die miesesten Polithunde meinen, über unser Leben bestimmen zu dürfen, wird Erich Mühsam wieder umso wichtiger.

Bitte fragt bei Interesse im lokalen Buchhandel nach, das Buch sollte, wenn nicht vorrätig, auf den nächsten Tag bestellbar sein – Bewegung ist nicht nur für den Paketboten gut, sondern für jeden einzelnen von uns!