Quiemst Du, wenn es mäuselt?

Spamzeichen

Seit ein paar Monaten erreichen mich an meinem Arbeitsplatz regelmäßig Spam-Mails, die alle ungefähr die gleiche Struktur aufweisen: Eine Betreff-Zeile, drei oder vier Zeilen Text, ein Link, der die eigentliche Werbeanzeige lädt, und ein – wie auch immer geschriebener – „Hier-abmelden“-Link. Das erste Mal ernsthaft an einer diesen E-Mails hängen blieb ich, als mir in der Betreffzeile das Wort „mäuseln“ ins Auge sprang. Ab da begann ich, mit dem anderen die tägliche Spam-Flut genauer nach Mails mit dieser „Vierzeiler-Struktur“ durchzusehen und die ein oder andere in einer Sonderablage aufzubewahren. Und dann kam das Wort „QUIEMST“. Von dem Moment an wusste ich, ich muss diese Spams ernsthaft sammeln. Einziges Kriterium dabei war, dass mich ihre sprachliche Struktur bzw. die Wortwahl zum Lächeln brachte. Tatsächlich ist den Mails allen gemeinsam, dass sie eine erstaunlich ungewöhnliche grammatikalische Struktur aufweisen (die Kunstworte blieben in der Minderzahl). Und mit der Zeit reifte der Gedanke, aus den einzelnen Fragmenten ein Epos über die Widrigkeiten und Freuden des Alltags zu kompilieren. Hiermit das Ergebnis – jede Zeile, jedes Wort, jede Abfolge in diesem habe ich ohne jegliche Veränderungen aus den Originalen übernommen, einzig gelegentlich Dopplungen der Betreffzeile in der Hauptmail oder anders herum weggelassen. Auch habe ich die einzelnen Mails unvermischt aneinandergefügt, so dass meine „Autorenschaft“ praktisch nur darin besteht, dem Epos durch Sortieren der in sich geschlossenen Original-Mails eine sinnhafte Struktur geben zu haben. Baue dich auf, bitte: Hier abm_elden

Und hier noch ein Bonustrack, nach demselben Schema kompiliert aus einer anderen Spam-Welle: Potente Dysfunktion

P.S: Das Beitragsbild ist die Kopie des Inhalts einer E-Mail, die mich irgendwann unter dem Betreff „Personalbeschaffung in die Gesellschaften“ erreichte. Viel Spaß bei Suchen nach dem lustigen Sonderzeichen-Personal darin!

Universum Schachtel Tisch Stuhl Riese Turm Universum

Der Spezialist

Als kleiner Bursche, der schon immer gerne in den Himmel und Löcher in die Luft geguckt hat, habe ich mir die Unendlichkeit des Universums so erklärt:

Unser ganzes sichtbares Universum befindet sich in einer Schachtel. Diese Schachtel liegt auf einem Tisch. Vor dem Tisch steht ein Stuhl. Auf dem Stuhl sitzt ein Riese. Der Riese bewacht die Schachtel. Das alles befindet sich in einem Turm. Dieser Turm ist Teil eines weiteren, noch größeren Universums. Dieses übergeordnete Universum befindet sich in einer Schachtel. Diese Schachtel liegt auf einem Tisch. Vor dem Tisch…

Und das geht unendlich so weiter. Aber diese Form von Unendlichkeit hat mich dann keinesfalls mehr gestört – denn sie hatte ja eine klar definierte Struktur.

Diese Geschichte habe ich im Rahmen der November-Buchlounge mit Gyjho Frank erzählt, als wir das Thema Mikrokosmos–Makrokosmus diskutierten. Und am übernächsten Morgen wache ich recht früh auf, und weiß plötzlich: eigentlich muss das ja gar nicht unendlich so weitergehen, eigentlich ist es ja viel einfacher, weil nur zwei Universen genügen, die ineinander übergehen.

Also: Universum 1 befindet sich in Schachtel 1. Diese Schachtel 1 plus Tisch, Stuhl, Riese, Turm, weiteres Universum befinden sich in einer weiteren Schachtel 2. Diese Schachtel 2 plus Tisch, Stuhl, Riese, Turm, Universum befinden sich aber nun nicht in einer weiteren Schachtel, sondern wiederum in der Schachtel 1, die im Universum 1 auf dem Tisch liegt. Womit wir wieder beim Anfang der Geschichte wären.

Selbstverständlich gibt es damit auch kein Außerhalb mehr, da jedes Außerhalb analog zu einem Möbiusband zugleich wieder ein Innerhalb ist. Außer vielleicht das blanke Nichts, die absolute Nicht-Existenz – aber die wäre ja irgendwie ziemlich öde.

Eigentlich alles ganz einfach.

Global Sea

Manchmal finden sich auf einem Tisch Dinge zusammen, die zufällig wie zusammengehörend scheinen. Dementsprechend sind sie dann, nach Comte de Lautréamont, einem der Väter des Surrealismus: „Schön wie die zufällige Begegnung eines Regenschirms und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch.“

So erhielt ich in der Urlaubszeit der letzten Jahre zu fast dem gleichen Zeitpunkt zwei Postkarten, eine aus Chalkidiki, Griechenland und eine aus Texel, Holland. Beide Karten lagen einige Tage nebeneinander auf meinem Tisch, ich schob sie ab und zu etwas hin und her, und eines Morgens, bei Frühstückskaffee, sah ich plötzlich das:

Postkarten_neu_online

Ich nenne es „Global Sea“ oder: „See the Sea, Hear the Sea, Ecstasy.“

Madame Fatatabula

Darf ich vorstellen: Madame Fatatabula, meine Muse!

Madame Fatatabula_online

Seit Madame Fatatabula vor ein paar Monaten bei mir eingezogen ist, läuft mein Denken noch runder, insbesondere da der vollständige Titel des Bildes, einem handschriftlichen Vermerk auf der Rückseite nach, lautet: „Der Goldfisch hinter dem Fenster von Madame Fatatabula“.

Hinter dem Pseudonym „Dedda“ verbirgt sich der inzwischen 78jährige Gerhard Burger aus Ofterdingen bei Tübingen. Burger war Chefdesigner bei diversen Textilunternehmen, zuletzt der – inzwischen geschlossenen, aber unter Denkmalschutz stehenden – Textildruckerei „Pausa“ in Mössingen. Seit seinem Ruhestand arbeitet er als freier Illustrator.

Und seine Madame Fatatabula wohnt nun also bei mir. Dank dafür!