Tamburin. Tanz und Schönheit in aller Welt

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Ein aktueller Neuzugang in meiner kulturwissenschaftlichen Sammlung sind zwei Ausgaben der Zeitschrift „Tamburin. Tanz und Schönheit in aller Welt“ von 1950. Herausgegeben wurden sie im Tamburin-Verlag Karl Hofmann, Schorndorf bei Stuttgart von eben Karl Hofmann, Redaktion: Robert Jeserich und Carl Rinke.

Nicht nur sind sie ein schönes Beispiel dafür, wie es bereits in beginnenden Wirtschaftswunder-Zeiten offensichtlich möglich war, in Eigenregie solche Kleinzeitschriften zu allen möglichen kulturellen Themen zu veröffentlichen – im Prinzip Vorläufer zu Blogs wie diesem –, sondern auch wie sich über solche künstlerischen Zeitschriften nach und nach die Aktphotographie wieder in den öffentlichen Alltag einschlich. Bereits in der Urzeit der Photographie war es ja Usus, photographische Aktdarstellungen als „Vorlagen für Künstler“ zu vervielfältigen und zu publizieren. Nicht umsonst also trägt diese Zeitschrift das „und Schönheit“ im Untertitel.

In diesen beiden Ausgaben findet sich u.a. eine recht zusammenhanglos eingefügte Photographie von Werner Schmölcke. Schmölcke publizierte später, in den 1960ern vier Bände mit Aktphotos beim Hans E. Günther Verlag in Stuttgart – derzeit neben der Europäischen Bücherei Hieronimi, Bonn wohl einer der wichtigsten deutschen Verlage für Erotika und Sittengeschichte. Zahlreiche weitere Akte, immerhin thematisch im Bereich Tanz verortet, stammen von Sigfried Enkelmann, der zuerst als Autodidakt, ab 1927 dann als Schüler und später enger Mitarbeiter von C.M. Nolte in Berlin tätig war und an dessen photochemischen Versuchen mitwirkte. Enkelmann galt derzeit als Spezialist auf dem Gebiet der Bewegungsaufnahme.

Eine kurze Photostrecke ist darüber hinaus im Heft 5/50 Rosita Perez gewidmet, die mit Tanz wohl nur insofern zu tun hatte, dass sie Teil einer gewissen „Paris-Floor-Show“ war, wohl einen Revue, – diese ist zudem ein schönes Beispiel für 1950er-Exotica (Photos: Keystone) :

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Neben Artikeln zum Bereich des klassischen Balletts und der Geschichte des Tanzes finden sich Artikel wie „Über die Pikanterie. Versuch, deren Reiz einer Tänzerin zu offenbaren“, „Cancan – Rausch des Dessous. Ein Reiztanz vom Fasching neu belebt“ oder „Kleine Weltgeschichte des Nachtlokals“ die für eine höfflich-dezent libertine Lebensweise stehen, ebenso wie Aphorismen und Zitate die unter den (in diesen Heften) Überschriften „Weisheit des Sinnlichen“ und „Liebes-Spielereien“ versammelt sind. Zwei dieser Weisheiten, von Wendelin Ueberzwerch, mögen beispielhaft als Abschluss diese Eintrags stehen, da sie den Geist dieser Magazine recht gut wiedergeben: „Die Sinne sind die Jakobsleiter zum Himmel der Liebe.“ Und: „Es ist eine erhabene Sache, daß man die Keuschheit in Gestalt einer nackten Göttin darstellen kann. Schmutzfinken werden so etwas nie verstehen.“

(P.S.: Ausführliches zur Sexual- und Sittengeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg findet sich übrigens hier auf dieser Webseite in den entsprechenden Kapiteln meiner Arbeit „Pop, Anarchie und Zeitgeist“.)

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