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Über Der Elevator

Markus Baumgart / Gölzstraße 22 / 72072 Tübingen / der.elevator (ät) freenet.de

Corona tötet Kultur. Ein Appell zu anderer Achtsamkeit

Kulturtod

Sorry, aber ich muss mal eben in die Suppe spucken. Ja, das Folgende ist eine völlig subjektive, unausgewogene, einseitige, trotzige, nicht alle Seiten von vorne bis hinten abwägende Polemik, die sich somit voll in die Nesseln setzt. Der Narr bezieht jedoch gerne die Prügel für die Botschaft, Hauptsache es wird sich mit ihr auseinandergesetzt. Sich in einen Corona-Angst-Kokon und ganz im Privaten einzunisten, nur weil ein Teil der Gedanken verunsichern könnte, das geht auf Dauer nämlich nicht gut. Und nein, ich bin kein Verschwörungstheoretiker, sondern versuche, einfach nur mit kulturwissenschaftlichem Blick zu beobachten.

Und das, was ich auf dieser Basis befürchte, ist eine Katastrophe, die weit über die Corona-Pandemie hinausreicht. Nämlich die Abschaffung jedes demokratischen, kulturellen und insbesondere links-alternativen, subkulturellen Denkens, Handelns und Wirkens. Diese Destruktion ist vermutlich gar nicht primär geplant, also in Form einer Verschwörung, weil das auf Hegemonie basierende kapitalistische System eine solche überhaupt nicht mehr nötig hat. Sondern ganz einfach ein willkommener Kollateralschaden, sprich: ein Kollateralgewinn im Sinne der Hegemonialmacht, für die es ein Denken abseits der eingeschliffenen Seilschaften nicht mehr gibt und geben darf. Corona ist der zur Realität gewordene Traum aller Rechtspopulisten und neoliberalen Ideologen. Einfach mal alle Läden und kulturellen Einrichtungen über Wochen schließen – na, wer wird denn da wohl der große Verlierer sein? Freilich all die kleinen Kultureinrichtungen (und damit meine ich auch alternative Clubs, Ateliers, Buchhandlungen, Plattenläden, Second-Hand-Shops etc.), die von wenigen Aktivist*innen oder gar Einzelpersonen getragen werden und gerade deshalb oft Orte devianten, widerspenstigen Denkens sind. Und finanziell sowieso auf Kante genäht. Wird dementsprechend am Ende nur gerettet, was im Sinne des totalen Kapitalismus systemrelevant ist, werden solche Orte schlichtweg durch Passivität abgeschafft. Neue Gesetze, durchschaubare Etatkürzungen und Polizeieinsätze sind nicht mehr nötig, sie werden stillschweigend nebenbei ausgeblutet.

Dafür kann die Polizei nun in Parks und auf Spielplätzen einsetzt werden, um den Kindern und Jugendlichen, die sich dort entgegen allen Anweisungen anarchistisch zusammenrotten, von Anfang an beizubringen, was Sache ist, wer das Sagen hat. Eindrücklich erschreckende Bilder sind das, die die Berichte in der „bürgerlichen Presse“ teilweise begleiten. So erschreckend wie die tendenziell gleiche Ausrichtung dieser Medienberichte. Nein, damit will ich nicht in das Horn populistischer Medienschelte blasen. Aber ist es nicht furchtbar, welche Zeichen da zum einen gesetzt werden, zum anderen, wie wenig Widerspruch laut wird? Grundtenor ist: Also wenn die Menschen so unvernünftig sind, dann können ja nur noch Ausgangssperren verhängt werden. Kaum ein kritischer Gedanke irgendwo, Führer*innen-Hörigkeit aller Orten. Gegenstimmen, ein kritisches Abwägen, eine ernsthafte Diskussion? Fehlanzeige. Corona, deutsch: die Krone, herrscht und droht unhinterfragt.

Und die praktische Seite: nebulös. Gesetzt ist, die Kinder zu Hause zu behalten, dazuhin empfohlen ist Homeoffice, und nebenbei der Online-Unterricht der Schulkinder. Perfekt, kein Problem. Selbstverständlich arbeiten wir konzentriert in einer Zwei-Zimmer-Wohnung via Homeoffice während wir ein zweijähriges Kind betreuen, auch wenn mit einem solchen kaum ein ordentliches Telefonat alleine mit Freund*innen zu führen ist. Und selbstverständlich kann unser Internet jederzeit und überall gleichzeitig Homeoffice und eine Online-Lern-Plattform für alle bewältigen. Und selbstverständlich leben alle Kinder in einem sozialen Umfeld, in dem sie die bestmögliche elterliche Betreuung bekommen. Egal, irgendwie prügeln wir das Wissen und die Systemkonformität schon in sie rein. Aber ob das der sogenannten Herdenimmunität auch in virologischer Hinsicht nachhaltig und langfristig dient?

Ich bin entsetzt und fürchte das Schlimmste. Jedoch nicht wegen des Virus, der zumindest hinbekommen hat, was die Linke schon lange nicht mehr geschafft hat: Wenn dein starker Arm es will, stehen alle Räder still. (Voraussichtlich leider wenig nachhaltig im Hinblick auf Arbeitsrechte, einen weltweiten Grundlohn, Ökologie usw. etc.) Sondern wegen einer weiteren Zerstörung der Menschen- und Bürgerrechte, eines alternativen politischen, intellektuellen und vor allem grundsätzlich humanistischen Standpunkts, der vom Menschen ausgeht und nicht vom System, und somit des wirklichen sozialen Zusammenlebens – insbesondere in diesem Punkt bin ich gerne bereit, diese m.E. teils unglaublich verlogenen Aufrufe zur Corona-Solidarität zu diskutieren, z.B. bei Betrachtung der medialen Darstellung von „Fridays for Future“ als quasi demographisch kongruentem Gegenstück.

Aber: Zugleich ist das eine große Chance für einen alternativen Entwurf wirklicher, gelebter Solidarität und kultureller Pluralität. So oft meine ich sie wahrgenommen zu haben und wahrzunehmen, diese Resignation vieler kluger Menschen innerhalb des Kulturbetrieb, die mit ihrem Tun nichts anderes wollen, als einen positiven Impuls zurück in die Gesellschaft zu geben. Aber die Verhältnisse, sie sind nicht so, die ökonomischen Zwänge, und mach nur einen Plan und sei ein helles Licht… Kann das, soll das das letzte Wort gewesen sein? Wollen wir wirklich allen, die hämisch darauf lauern, gar aktiv dazu beitragen, dass sich jede kritische Alternativkultur atomisiert, das letzte Wort überlassen? Nein, das kann es doch wohl nicht gewesen sein. Also: Achtet nicht nur auf eure Gesundheit, seid bitte auch besonders aufmerksam im Hinblick auf unsere Kultur- und Zivilgesellschaft. Gerade weil es für deren Rettung wohl noch nicht mal einen Plan gibt, die Diskussion darüber deshalb umso notwendiger ist.

Und hier noch ein Buchtipp zur aktuellen Situation: Haus Bartleby (Hg.): Sag alles ab! Plädoyers für den lebenslangen Generalstreik, Edition Nautilus, Hamburg 2015

Und der Text als PDF: Markus_Baumgart_Corona_toetet_Kultur

InformationsKaraokeTanz!

Karaoke_FlyerPlus

Liebe Mitsängerinnen und Nichtsinger,

wie vor Weihnachten stets ein lauer Frühlingshauch kommt, so folgerichtig vor besinnlich laut. Darum gibt es diesen Samstag, den 21. Dezember noch eine Mischung aus dem bekannten InformationsTanz-Format mit WeihnachtsRed Ford und Knecht Elevator als Gastgebern und einem Karaoke-Abend, präsentiert von unserem famosen Stargast El Niño Nik Neandertal. Da der zweite Teil wohl eher lautstark auf die Erde nieder rieseln wird (bis die Christkinder vom Ordnungsamt vor der Türe stehen), beginnt der wissenschaftliche erste Teil dieses Mal bereits Punkt akademisch 20 h c.t., also um 20:15 Uhr, da dann aber wirklich pünktlich! Seid dementsprechend rechtzeitig da, denn wir wollen euch reichlich mit unnützem Wissen aus der Karaoke-Historie bescheren! Zum Dank nehmen wir ganz bescheiden Geschenke jeder Art an – oder ihr singt eben im zweiten Teil… Und zur späten Stunde gibt es den Abend beschließend wirklich schöne Musik mit niedrigem Heilig-Abend-Anteil von den XMcees.

Wünsch euch was!

Monster-Hit-Zeit

Halloween_im_Pausenhof_2019

Liebe Ghouls und Zombies,
die lebenden Toten M & M kehren für eine Nacht zurück und feiern von der Abend- bis zur Morgendämmerung! Zeit, für ein paar Stunden dem Ding aus dem Alltags-Sumpf zu entkommen und sich zu gleichgesinnten Kreaturen der Nacht zu spießgesellen. Da die mumifizierten Horden musikalischen Einheits-Schleims draußen bleiben müssen, wird es ein mörderisches Vergnügen sein, Soul’n’Beat-Blut zu lecken und nebenbei eine Bloody Mary auszusaugen. Aber hütet euch dabei vor der schlimmsten Geißel, die jemals über die Menschheit kam (jetzt an die Geigen aus der „Psycho“-Duschszene denken, während die Kunde von ihr über euch kommt): dem Plastik-Strohhalm! Hysterisches Kreischen, während die Killer-Tomaten aus dem Longdrink-Glas kriechen. Van Helsing macht sich bereit, aber die Vampire schlitzen sich beim Rasieren vor dem Spiegel bereits selbst die Kehlen auf. Igor, bitte serviere den Tequila, es wird eine frankensteinische Nacht!
Mit halsbrecherischen Grüßen:
Der Elevator zum Schafott

InformationsTanz „CatDog“

cats&dogs

Kurz vor Weihnachten werden wir dem Fest der Liebe entsprechend nochmals ganz wusch- und kuschelig. Beim InformationsTanz diesen Samstag, den 15. Dezember (Vortrag ab 21 h c.t.) im Pausenhof geht es um pelzige Vierbeiner in der Popmusik. Das ist insofern ein dankbares Thema, weil wir dieses Mal nur Katz & Hund behandeln, was uns die Möglichkeit gibt, mit diesem Grundthema zahlreiche weitere Abende zu füllen. (Zu Risiken und Langzeitwirkungen lesen Sie Grzimeks Tierleben oder fragen Sie Heinz Sielmanns Expeditionen ins Tierreich.) Darüber hinaus müssen Katz & Hund in der Popmusik stellvertretend für jede Menge Anspielungen, Konnotationen, Paarkonstellationen und Beziehungsgewirre einstehen. (Blame it on you, Evolution!) Und eben damit beschäftigt haben sich Evelyn Tremble, Red Ford und Der Elevator, um die Erkenntnisse dem geschätzten Publikum in Wort und Ton näher zu bringen (wie gewohnt in der ganz kuscheligen Pausenhof-Atmosphäre). Und darüber hinaus: dem Thema haben wir das wunderbare Beitragsbild zu verdanken, das E.T.-Mirjam und Coop-Chris von ihrer Homebase aus gebeamt haben. Right on, Sisters and Brothers!

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Aus des Elevators Küche

Servieren Sie Ihr Tomatenmark doch einfach mal in Form von Tomaten, Ihre Gäste werden verblüfft sein!

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Oder Ihren Käse dekoriert mit einem Ziegenbock (selbst dann, wenn Sie Ihre Gäste eigentlich nicht ins Bockshorn jagen wollen).

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HINGEGEN: Vermeiden Sie es, Ihre Pizza von Aliens designen zu lassen:

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Selbst dann, wenn diese an sich über die Zutaten Bescheid wissen sollten. (In der Hoffnung, dass die Batterien [klein] nur für den Eigenbedarf gedacht sind…)

Alien Pizza 2_online

Bon Appétit wünscht: Ihr Elevator!

 

R.I.P. Mark E. Smith

Mark E. Smith

Vorhin habe ich zufällig mitbekommen, dass Mark E. Smith am gestrigen Mittwoch, dem 24. Januar 2018 verstarb. Manmanman, wer hätte gedacht, dass der überhaupt sterblich ist? Der Heilige Geist des (Post-)Punk. Man dachte einige Zeit nicht mehr an ihn, zack, plötzlich umwaberte er einen wieder mit einem neuen „The Fall“-Album; und wenn man Glück hatte, fiel einem sogar zufällig ein Vinyl-Exemplar beim Händler des Vertrauens in die Hände.

Wäre ja auch nicht verwunderlich gewesen, wenn das Projekt „The Fall“ irgendwann ausgelaufen wäre – angeblich hat MES in den 40 Jahren des Bestehens um die 60 Musiker*innen verschlissen. Wir konnten es einmal quasi live erleben: Da spielten The Fall in Stuttgart-Wangen, im Longhorn/LKA, Ende der 1980er-Jahre, zur Zeit von „I Am Kurious Oranj“ und „The Frenz Experiment“. Irgendwas störte MES, an einem klassischen Notenpult stehend, an seinem Drummer. Schließlich warf er ihm seinen Bier-Pappbecher an den Kopf. Keine Ahnung, ob er mit diesem Drummer die Tour beendete oder unterwegs einen neuen aufgabelte.

Wir wussten ja bereits um seinen Ruhm als Band-Diktator. Nachdem wir ihn beim Konzert erlebt und gesehen hatten, hieß er bei uns dann nur noch „der Knautsch-Gnom E.“ – wenn man sich das Beitragsbild anschaut, weiß man warum. Hat sich in den letzten 30 Jahren noch richtig gut gemacht! R.I.P.M.E.!