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Über Der Elevator

Markus Baumgart / Gölzstraße 22 / 72072 Tübingen / der.elevator (ät) freenet.de

Deutschpop halt’s Maul

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Popkultur war vielleicht das wichtigste Reeducation-Programm, das die Alliierten auflegten. Sie überschrieb deutsche Kultur und entfremdete die Kids von Scholle und Volksgemeinschaft. Popmusik auf Deutsch war daher lange Zeit undenkbar. Erst mit Punk entstanden deutsche Texte, die sich zur Kolonialisiertheit durch Pop bekannten. Und als aus der guten alten BRD wieder hässliches neues Deutschland geworden war, verstärkten Bands wie Kolossale Jugend oder die frühen Blumfeld (nicht zu verwechseln mit den späten) die Dissonanzen. Ihre Sperrigkeit war eine Abfuhr ans neu verordnete Wir-Gefühl. Aber in ihrem Windschatten entstand eine neue Generation, die endlich ganz unverkrampft deutsch singen wollte. Tomte, Kettcar oder Klee sangen (noch…) nicht für Deutschland, aber ihr kleinbürgerlicher Gemütsindiepop passt gut zum Entkrampfungsbefehl der Berliner Republik. An das, was dafür aufgegeben wurde, will der Vortrag erinnern, indem er vom „Fremdwerden in der eigenen Sprache“ (NDW) erzählt, von der Materialästhetik der Verkrampfung (Hamburger Schule), von der unglaublich seltsamen Unmöglichkeit deutscher Popaffirmation (Schlager) und natürlich von der Hässlichkeit des Unverkrampften.

Ein Vortrag von Frank Apunkt Schneider im Club Voltaire Tübingen. Mit anschließendem Kneipenbetrieb und Beatklub, am Vinyl: Der Elevator.

Flyer_Deutschpop halt’s Maul

Buchlounge_Blumen für Marlene

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„Sag mir wo die Blumen sind“ wurde im Jahr 1962 in der Version von Marlene Dietrich ein populärer Klassiker. Doch das Lied hatte da bereits eine fast dreihundert Jahre alte Geschichte hinter sich. Es wanderte aus Sachsen nach Amerika aus, befeuerte die Oktoberrevolution in Russland, wurde mit Pete Seeger und dem amerikanischen Folk berühmt – und schließlich in Deutschland mit Steinwürfen empfangen.

Der Lyriker, Literaturwissenschaftler und Journalist Dr. Ulrich Stolte hat die internationale Geschichte dieses Liedes recherchiert und präsentiert die Ergebnisse in einem multimedialen Vortrag bei der Buchlounge am kommenden Freitag, den 4. November 2016, 20:30 Uhr (Antiquariat geöffnet ab 20 Uhr). Er zeigt außerdem, wie die deutsche Dichtung der Aufklärung in das Schaffen von Walt Disney, Quentin Tarantino und Oliver Stone geflossen ist. Es gibt also wiedermal jede Menge zu lernen!

Druckversion der Einladung: Buchlounge_Blumen für Marlene

Halloween im Pausenhof

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Am morgigen Montag laden Markus „Red Ford“ und Markus „Der Elevator“ ab 21:30 Uhr zum inzwischen traditionellen Halloween Monster Mash in den „Pausenhof“ am Sternplatz. Wie immer ziehen wir ungeheuer gute Musik aus den Eingeweiden. Diesmal geistern zudem ein bisschen nicht tot zu bekommender Punk und unsterblicher New Wave durchs Gewölbe. Heraus also aus der Gruft, die Spinnweben abgestreift und unter die Ghouls gemischt. Kein Kostümzwang, aber gerne Tanz bis der Bestatter vom Ordnungsamt vor der Türe steht.

Buchlounge_Außerndienst et al.

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Diesen Freitag wird um 19 Uhr im Museum der Stadt Kornwestheim im Kleihues-Bau eine Ausstellung mit Bildern von Marlis Albrecht eröffnet. Auf geheimnisvoll-lyrische Weise vereinigen sich im Werk der Künstlerin durch Gegenüberstellung Waldbilder mit solchen des menschlichen Antlitzes. Marlis Albrecht arbeitet in einer ganz eigenen Technik mit dem Gestaltungsmaterial Wachs, das die erhaben-kontemplative Wirkung hinter der augenscheinlichen Ästhetik ihrer Bilder unterstreicht. Da in Kürze das Begleitbuch zur Ausstellung im mir brötchengebenden Verlag erscheint und ich im Hintergrund ein wenig für die Betreuung desselben verantwortlich war, ist mir die Vernissage nicht nur Vergnügen sondern auch ein bisschen Pflicht. Weshalb wegen des Außendiensts die Buchlounge diesmal außer Dienst ist. Ich könnte jedoch für Schnellentschlossene eine Mitfahrgelegenheit ab Tübingen, 17:30 Uhr anbieten und bitte um kurzfristige Rückmeldung, um gegebenenfalls ein zweites Auto organisieren zu können.

Ein zweiter Kunsttermin, den ich an dieser Stelle empfehlen möchte, ist das Kunstfestival im Rahmen des 2. Internationalen Künstlersymposiums im kunstort ELEVEN in Starzach-Börstingen, geleitet von Monika Golla und Frank Fierke, am 15./16. Oktober. Mit Sicherheit eine ganz besondere Gelegenheit, ein Wochenende flanierend inmitten vieler inspirierender Performances zu verbringen.

Und eine letzte Vorschau, diesmal in eigener Sache: Im Club Voltaire Tübingen ist am Freitag, den 11. November 2016 auf meine Einladung hin Frank Apunkt Schneider mit seinem Vortrag „Deutschpop halt’s Maul!“ zu Gast. An den Vortrag schließen sich Kneipenbetrieb mit Beatclub-Party an (an den Plattenspielern: Guess who, surprise, surprise! ;-)). Weitere Infos folgen in einem kommenden Newsletter bzw. sind bereits auf der Webseite des Club Voltaire abrufbar. Bitte unbedingt jetzt schon vormerken, denn das verspricht ein wunderbar trashiger Abend zu werden!

(Beitragsbilder mit Dank an die Künstlerin Marlis Albrecht: „Walden XXII“ und „Bollenflug II“)

Buchlounge_Summertime Blues

Summertime Blues

Wer wollte behaupten, es gäbe kein Heilmittel gegen den Summertime Blues, wenn man sich doch ganz einfach zusammensetzen kann, um gemeinsam mit netten Menschen bei Fingerfood und alkoholischen Getränken selten gehörte Musik zu hören? Genau dafür habe ich für diesen Freitag, den 2. September 2015 ab 20:30 Uhr (Antiquariat geöffnet ab 20 Uhr) ein Musikprogramm zusammengestellt, das ein paar wirklich deprimierend triste Songs beinhaltet, bei denen einem jede Sommerlaune vergehen könnte. Wäre da nicht das Drumherum, das das Ganze wiederum höchst amüsant macht. Im Angebot hätte ich: Lance Kaufman featuring the Rain Forest Wrecking Crew in all ihrer Destruktivität, nebst einem kleinen Exotica-Exkurs featuring Korla Pandit, the Godfather of Exotica. Ein Beispiel für die tiefsten Tiefen pubertären Herzschmerzes, ergänzt durch ein Beispiel, wie man da ganz funky wieder raus kommt. Sowie das möglicherweise niederschmetternd drögste Hawaii-Album, das jemals aufgenommen wurde, und auch dieses freilich konterkariert durch wundervolle, original hawaiianische Popmusik, mit der schließlich der gesellige Teil des Abends eingeleitet werden soll. Enjoy your depression!

Druckversion der Einladung: Buchlounge_Summertime Blues

Buchlounge_Das weltweite Netz

Das weltweite Netz

Die digitale Vernetzung bildet die Grundlage für das Informationszeitalter – zunehmend allerdings auch für ein Desinformationszeitalter, wenn man sich die ein oder andere politische und gesellschaftliche Entwicklung vergegenwärtigt. Ebenso kursiert über „Die Anfänge des Internets“ so manche Desinformation. Verbreitet ist etwa ein vom „Time“-Magazin in die Welt gesetzter Mythos, das Internet sei eine US-militärische Entwicklung zur Sicherung der inneren Sicherheit im Falle eines Atomkriegs.
Jürgen Eichenbrenner hingegen klärt uns am kommenden Freitag, den 1. Juli 2016 um 20:30 Uhr (Antiquariat geöffnet ab 20 Uhr), ausgehend von Bertolt Brechts „Radiotheorie“, fundiert darüber auf, worin der technische und soziale Unterschied zwischen analogen und digitalen Netzen besteht. Dabei liest er unter anderem Passagen aus Katie Hafners gedrucktem Buch „Die Anfänge des Internets“ vor.
Um Störungen durch Handy- und desinformierte Smartphonebenutzer zu verhindern, steht (neben den sowieso bereits gut abschirmenden Betonwänden des Veranstaltungsraumes) ein Handy-Störsender und WLAN-Blocker bereit, der bei Bedarf eingeschaltet wird, um eine ungestörte Lesung und fruchtvolle Diskussion, etwa über Filterblasen, zu ermöglichen.

Druckversion der Einladung: Buchlounge_Das weltweite Netz

Roll into Electricity

Panther Burns

Der hier abrufbare Text: Roll into Electricity befasst sich mit einer Band bzw. eher einem losen Kollektiv von Musikern um die zentrale Figur Tav Falco herum, das Mitte der 1980er-Jahre meine Aufmerksamkeit weckte und dessen Aktivitäten ich seither mal mehr, mal weniger intensiv verfolg(t)e – was freilich auch daran liegt, das Panther Burns in den letzten Jahren mal mehr, mal weniger aktiv waren.* Ausformuliert hatte ich den Text für einen Vortrag plus DJing im „Wiesengrund“ in den Katakomben des Sudhaus Tübingen, einer dreimonatigen Veranstaltungsreihe im Sommer 1999 oder 2000, die man als Keimzelle der etwa sieben Jahre währenden, jeden Dienstag stattfindenden Veranstaltungsreihe „Zátopek im Club Voltaire“ ab April 2001 betrachten darf – deren Gründungsmitglied ich dann wiederum war. Insofern beinhaltet der Text nicht nur einige der weiterhin für mein Denken und kulturwissenschaftliches Interesse relevanten Themen. Er ist für mich auch bedeutsam als quasi Keimzelle meiner öffentlichen Aktivitäten als Veranstalter, Vortragender und DJ. Hach!, these foolish, sentimental things…

* Tav Falco veröffentlichte 2011 mit „Ghosts behind the Sun: Splendor, Enigma & Death“ (Creation Books, o.O.) eine umfassende Musikgeschichte Memphis’, die selbstverständlich auch die Geschichte von Panther Burns erzählt. Zusammen mit „Bluff City Underground: A Roman Noir of the Deep South” von Erik Morse (ebd.) bildet sie das Diptychon „Mondo Memphis“ vol. 1 & 2.

Die gesellschaftspraktische Virtualität

Futurion

Mitte 1996 nahm ich an einem vom Forum Futurion ausgeschriebenen Essay-Wettbewerbs mit dem Thema „Die Informationsgesellschaft im neuen Jahrtausend – Bedrohung oder Chance für Mensch und Kultur?“ teil. Hinter selbigem „Futurion“ standen wohl, neben der Uni Witten-Herdecke, Thyssen und Wirtschaftswoche – was ich erst wieder recherchieren musste, weil ich außer einer Kopie meines Beitrags keine Unterlagen finde (ich denke, ich bin auf den Wettbewerb über ein Plakat an der Uni aufmerksam geworden, und mir ziemlich sicher, nie eine Rückmeldung zu meinem eingereichten Text erhalten zu haben), und wobei ich lustiger weise über den Online-CV der damaligen 1. Preisträgerin stolperte, die dort den Titel des Wettbewerbs allerdings anders angibt, als in meinem Beitrag vermerkt. Verdammt, hab ich ihn womöglich wegen eines Formfehlers nicht gewonnen? Na ja, vielleicht hätte ich in diesem Umfeld aber auch einfach nicht gleich mit Marx ins Haus fallen sollen. :-) Jedenfalls hatte ich mir redlich Mühe gegeben und eigentlich auch nicht nur Unsinn geschrieben. Interessant scheinen mir in meinem Essay vor allem die „Science-Fiction-Teile“ (wie es eine Freundin und Kommilitonin damals in ihrem schriftlichen Feedback ausdrückte – erfreulicherweise fand ich wenigstens dieses meiner Kopie angeheftet). Insbesondere wenn man sie mit der heutigen Realität, exakt 20 Jahre später, vergleicht. Und eben diese historische Perspektive macht die Lektüre meines Essays – denke ich zumindest – weiterhin recht interessant. Hier wäre er: Die gesellschaftspraktische Virtualität